Zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung boomt der Wohnungsbau in Deutschland. Und aufgrund der Energiewende könnte der Sonder-Aufschwung für die gesamte Branche noch einige Jahre anhalten.

Der Immobilien – Branchenumsatz stieg 2011 um ca. 9,5 Prozent, so stark wie zuletzt 1994. Von Januar bis Ende März 2012 lag der Auftragseingang mit rund 12,5 Mrd. Euro noch einmal 12 Prozent höher als im Vorjahreswert. Aufgrund der exzellenten Werte steigt auch die Stimmung bei den Unternehmen und Architekten. Den Aufschwung habe man laut Experten nicht dem staatlichen Konjunkturpaket zu verdanken, sondern viel eher dem Wohnungsmarkt.
Aufträge der öffentlichen Hand sorgen für Stabilität und der Gewerbebau wächst sehr ansehnlich. Die Neubaugenehmigungen stiegen seit 2011 um mehr als 20 Prozent an. Dieses Jahr solle es ähnlich vorangehen. Die Voraussetzungen sollen gegeben sein: Die Bauzinsen bleiben auf Tiefststände und machen Darlehen günstig. Niedrige Arbeitslosenraten und hohe Lohnabschlüsse geben die nötige Zuversicht bei zukünftigen Bauherren und Eigentümern.

Der stürmischen Weltkonjunktur trotzt die Bundesrepublik bisher. Mit der Krise wächst auch die Sehnsucht nach Solidität. Laut Experten wird momentan nahezu alles gekauft, was der Immobilienmarkt hergibt, zum Teil auch zu absurden Preisen. Analysten der Bundesbank registrierten 2011 die ersten „markanten Preisreaktionen“ seit 20 Jahren: ein Anstieg von mehr als 5 Prozent. In Hamburg und München seien sogar Steigerungen von rund 30 Prozent keine Seltenheit mehr. Branchenexperten sind sich sicher, dass der Boom so schnell nicht abreißen wird und die Treiber, vor allem billiges Baugeld und Euro-Angst, sind nach wie vor allgegenwärtig.